🧾 Arbeit unter Druck – Die Realität in der stationären Jugendhilfe
Hintergrund
Die Jugendhilfe ist ein zentraler Pfeiler des Kinder- und Jugendschutzes. Sie übernimmt die Betreuung junger Menschen außerhalb ihres familiären Umfelds in ihren (stationären ) Einrichtungen – oft in hochbelasteten Lebenslagen. Die Anforderungen an Fachkräfte in diesem Bereich sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die aktuelle Querschnittsstudie der BGW (2025) liefert belastbare Daten zur Arbeitssituation und psychischen Gesundheit von Beschäftigten in stationären Einrichtungen.
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Kernergebnisse der Studie
👥 Struktur der Befragten
• 671 Beschäftigte aus stationären Einrichtungen
• Ø Alter: 39,2 Jahre | Ø Berufserfahrung: 12,8 Jahre
• Ø tatsächliche Wochenarbeitszeit: 38,5 Stunden
• 37 % in Leitungsfunktion | 92,8 % mit unbefristetem Vertrag
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🔥 Belastungen im Arbeitsalltag
• Soziale Anforderungen und Aggression durch Klient:innen signifikant höher als in der ambulanten Jugendhilfe
• Emotionale Anforderungen und Zeitdruck auf hohem Niveau
• Rollenkonflikte, unsichere Arbeitsinhalte und Schichtarbeit als zusätzliche Stressoren
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🧠 Psychische Gesundheit und Bewältigung
• 27 % berichten häufige Burn-out-Symptome
• Präsentismus (Arbeiten trotz Krankheit) und Arbeitszeitverlängerung sind weit verbreitet
• Diese Strategien gelten als gesundheitlich riskant und erhöhen das Risiko langfristiger Ausfälle
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📊 Krankenstand in sozialen Berufen
• Durchschnittliche Krankheitstage in sozialen Berufen: 23,9 Tage/Jahr (AOK 2024)
• Im Vergleich zum Gesamtdurchschnitt (14,8 Tage) sind das rund 60 % mehr Fehlzeiten
• Hauptursachen: psychische Erkrankungen, Erschöpfung, Infekte
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Handlungsbedarf für Träger
Die Daten zeigen, was viele von euch täglich erleben: Die stationäre Jugendhilfe ist ein hochbelastetes Arbeitsfeld mit erhöhtem Gesundheitsrisiko, vor allem für psychische Erkrankungen, die oft viel zu spät erkannt werden und dann überdurchschnittlich lang andauern.
Träger können durch gezielte Maßnahmen wesentlich zur Stabilisierung und Zufriedenheit ihrer Teams beitragen.
💡 Empfehlungen
• Gewaltprävention und Deeskalationstrainings für den Umgang mit herausfordernden Klient*innen
• Stärkung des Handlungsspielraums und der Mitbestimmung im Arbeitsalltag
• Gesundheitsorientierte Führung (vgl. BGW + AOK-Nordwest) und regelmäßige Supervision
o Kernelemente gesundheitsorientierter Führung
Wertschätzung und Anerkennung Führungskräfte zeigen Respekt für die geleistete Arbeit und geben konstruktives Feedback.
Transparenz und Rollenklarheit Klare Kommunikation von Erwartungen, Zuständigkeiten und Entscheidungswegen reduziert Unsicherheit und Stress.
Gestaltung gesunder Arbeitsbedingungen Dazu gehören realistische Arbeitszeiten, Pausenregelungen, Schutz vor Überlastung und ein gutes Arbeitsklima.
Förderung von Handlungsspielräumen Mitarbeitende erhalten Autonomie und Mitbestimmung, was sich positiv auf Motivation und Gesundheit auswirkt.
Offene Fehlerkultur und soziale Unterstützung Fehler dürfen angesprochen werden, ohne Angst vor Sanktionen. Kollegiale Unterstützung wird aktiv gefördert.
Vorbildfunktion der Führungskraft Führungskräfte leben selbst gesundheitsbewusstes Verhalten vor – etwa durch Selbstfürsorge, Stressbewältigung und klare Grenzen
• Maßnahmen gegen Präsentismus und Überstundenkultur
• Psychosoziale Unterstützung und Zugang zu professioneller Beratung
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Zusammenfassung
Die Arbeit in stationären Einrichtungen ist sinnstiftend – aber auch hoch anspruchsvoll. Die hohe Zahl (psychischer) Beschwerden und die Anzahl der Krankheitstage sprechen für sich.
