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Forschungsprojekt zum Jugendstrafvollzug und den Folgen "JUST"

Jugendstrafe: Ernüchternde Bilanz

Das Forschungsprojekt zum Jugendstrafvollzug und den Folgen "Just" beobachtet seit 10 Jahren in Niedersachsen wie eine Jugendstrafe das Leben und die weitere soziale Entwicklung junger Menschen beeinflusst. Mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft soll es weitere zwei Jahre fortgeführt werden.

Während die einen den pädagogischen Gedanken des Jugendstrafrechts stärken möchten, wollen andere ein "tatorientiertes" Strafrecht, das auf pädagogische Ansprüche verzichtet. Egal, welche Ziele verfolgt werden, ob Strafe, Abschreckung oder "Besserung" im Vordergrund stehen, mit Jugendstrafen scheinen sie nicht erreicht zu werden. Das zeigt eine Langzeitstudie des Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen. Vier Jahre nach Verbüßung der ersten Jugendstrafe waren ca. 80 Prozent der Teilnehmer erneut verurteilt und 65 Prozent wieder inhaftiert.

Gerade das oft in der öffentlichen Diskussion geforderte "harte Durchgreifen" erweist sich in der Praxis als Hindernis. "Je repressiver die Anstalt auftritt, desto stärker formiert sich die Subkultur; die Einstellung der Gefangenen gegenüber dem Personal wird feindseliger. Jungen Straffälligen klare Grenzen zu zeigen ist wichtig – aber sie werden mit Vergünstigungen eher zu positivem Verhalten angeregt als durch Strafen abgeschreckt" sagt Diplompsychologin Dr. Daniela Hosser, Leiterein des Forschungsprojekts.

Hosser fordert eine verbesserte Qualifizierung der Gefangenen in der Haft und einen betreuten Übergang in Freiheit und Berufsleben. Nur 30 Prozent der befragten Strafgefangenen bildeten sich schulisch weiter, 44 Prozent beruflich – doch nicht einmal jeder zehnte erwarb einen regulären Abschluss. "Es muss gelingen, aus der Haft heraus ein Leben in geregelten sozialen Verhältnissen und vor allem in sinnvoller Beschäftigung zu ebnen und den schwierigen Übergang zu begleiten" folgert die Projektleiterin. "Sonst laufen Therapie und Weiterbildung ins Leere. Wer in einem neuen Job Fuß fasst, hat mehr als bisher zu verlieren, gewinnt in der Regel neue Freunde, und damit ändert sich der gesamte Lebensstil."

Auf die Freiheit aber würden die Gefangenen nicht ausreichend vorbereitet. Aus Angst vor Missbrauch würden Vollzugslockerungen wie begleiteter Ausgang, Freigang oder Urlaubaber nur bei wenigen Gefangenen genehmigt. Die Forschung zeige jedoch, dass Weit weniger als ein Prozent der niedersächsischen Strafgefangenen Vollzugslockerungen missbrauche. Gefangene nicht auf das Leben nach der Haft vorzubereiten, sei viel riskanter.

Kritisiert werden auch die zu geringe Zahl von Therapieplätzen bei psychischen Problemen und Drogensucht. Die derzeit angebotenen Maßnahmen seien den Gefangenen keine Hilfe, ihr Leben in den Griff zu bekommen.

 

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